Raspelkurzes Haar, feenhafte Gesichtszüge. Eine raue Stimme, dabei filigrane, elegante Bewegungen: Lea Malenka Prinz steckt voller Gegensätze ­– und klingt wie die Hauptfigur eines modernen Märchens: Aufgewachsen in einem Dorf in Süddeutschland, verlässt sie mit gerade mal 14 Jahren ihre Heimat für die Großstadt, um Tänzerin zu werden. Ihre Destination: Berlin. Dort besucht sie die staatliche Artistenschule und macht sich in einer hart umkämpften Branche einen Namen. Ihr Geheimnis? Sanfte Rebellion. Ein Interview.

SHOWROOM: Du bist im Dorf groß geworden. Wie hat dich deine Heimat geprägt?
Lea Malenka Prinz: Im Dorf ist es einfacher. Ein bisschen zumindest. Man macht sein Ding und fällt schneller auf. Das habe ich genossen.

SHOWROOM: Was hat dich von den anderen im Dorf unterschieden?
L.M.P.: Ich habe mich anders gekleidet, mich anders verhalten und immer meine Meinung gesagt.

SHOWROOM: Du bist sehr jung, hast aber schon eine beachtenswerte Karriere hingelegt. An welche Grenzen bist du gestoßen?
L.M.P.: In erster Linie an körperliche. Ein Körper kann einfach kaputt gehen. Das habe ich schon relativ jung erfahren. Man muss auf sich Acht geben. Dann kam eine kreative Blockade. Ich habe mich gefragt, warum ich all das eigentlich mache. An einem Punkt hatte ich den Spaß verloren. Wenn die Passion in meinem Beruf verloren geht, ist es was anderes, als in jedem anderen Job. Man spürt es. Man sieht es. Ich musste schauen, mein Leben wieder dahin zu lenken, dass mir diese Projekte wieder Spaß machen.

SHOWROOM: Was hast du unternommen?
L.M.P.: Ich bin gerade drei Monate weg gewesen. Erst in Kenia, dann in Indien und im Libanon. Es war gut mal eine Pause zu haben. Ich habe andere Leute um mich gehabt, einfach mal nichts gemacht, meinen Körper gelassen und mich inspirieren lassen. Ich möchte, dass der Tanz trotzdem wie ein Hobby für mich ist. Ich will nicht das Gefühl haben, dass es ein Job ist, den ich machen muss.

SHOWROOM: In deinem Metier besetzt du eine Nische. Was liebst du daran?
L.M.P.: Diese unglaubliche Freiheit. Auf der Bühne kann ich machen, was ich möchte. Auf der Bühne fühle ich mich zuhause. Früher noch mehr als heute. Ich dachte, das ist der Ort, an dem ich sein muss, wo ich mich wohl fühle. Mit der Zeit wird es anders. Aber es macht immer noch total Spaß.

SHOWROOM: Ein Teil deiner Arbeit sind Performances mit dem Hoola-Hoop-Reifen. Da werden Kindheitserinnerungen wach. Welche Übung empfiehlst du Anfängern?
L.M.P: Auf Youtube und Instagram gibt es eine Menge Tutorials. Alles anschauen, inspirieren lassen und dann sein eigenes Ding machen. Ich habe niemals nur übernommen. Man bekommt ein sehr gutes Körpergefühl. Die Feinmuskulatur wird trainiert, die großen Muskelgruppen weniger.

SHOWROOM: Du hast nicht nur einen individuellen Tanzstil, sondern auch deinen ganz eigenen Look kreiert. Wie hast du deinen Stil gefunden?
L.M.P.: Ich habe immer getragen, was ich bequem fand und selten Ausnahmen für irgendjemanden gemacht. Wenn mir Sachen gefallen haben, dann habe ich sie angezogen. Bis ich 15 war, habe ich keine Jeans getragen, weil ich die unbequem und nicht schön fand. Alle anderen Mädels sind natürlich in Jeans rumgerannt.

SHOWROOM: Was hast du getragen?
L.M.P.: Kleider, Röcke, Leggings und auch mal eine Cord-Hose. Aber Jeans gingen gar nicht. Ich habe viele Sachen von meiner Familie und von Freunden. Mein kleiner Bruder ist Modedesigner. Von ihm trage ich heute zum Beispiel einen Mantel. So bekomme ich ein paar It-Pieces, die sonst niemand hat. Stücke, die aus der Masse herausstechen und nicht von der Stange sind. Bei SHOWROOM ist es ja ähnlich. Ihr verkauft auch junge Designer. Aktuell ist die Mode kurzlebig und verrückt. Da mache ich nicht mit. Ich trage Secondhand oder Sachen von Freunden und jungen, kleinen Designern. Alles Lieblingsstücke ohne Verfallsdatum.

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